Wie spielt man auf der Geige in den Lagen?

Nicht nur für diejenigen, die nach langen Nächten das Gefühl nicht mehr losgeworden sind, mit dem Spiel in den Lagen könnte der Versuch gemeint sein, in stabiler Seitenlage einen geraden Geigenton zustandezubringen, dürfte die Beschäftigung mit diesem Themenfeld wahrlich erhellend wirken.

Als Lagen werden — um weiteren Missverständnissen sofort vorzubeugen — unterschiedliche stabile Positionen der Hand auf dem Griffbrett bezeichnet; man spricht von der ersten, zweiten, dritten…zwölften Lage. Stabil bedeutet, dass — im Unterschied zu Streckungen einzelner oder mehrerer Finger — die gesamte Hand auf dem Griffbrett in Richtung Körpermitte verschoben wird. Dreh und Angelpunkt stellt zunächst (von der ersten bis zur vierten Lage) das Ellenbogengelenk dar. Positionswechsel werden i.d.R. durch Fingersätze implizit bezeichnet, seltener finden sich auch römische Ziffern. Das Spiel in den Lagen ist wegen des erweiterten Tonumfanges, aus technischen oder klanglichen Gründen notwendig und attraktiv.

Dritte Lage — HowTo

Spielen wir zunächst folgenden Skalenausschnitt in der ersten Lage:
Lagenspiel1
Dafür ist erstens ein Saitenwechsel notwendig — ein bogentechnischer Aspekt — und zweitens ändert sich auch die Klangfarbe, wenn man von der A-Saite auf die E-Saite wechselt.

Versuchen wir die gleiche Passage, die wir bereits im Ohr haben, nun mit folgendem Fingersatz. Wir wandern im dritten Takt mit der ganzen Hand eine Etage höher, der erste Finger kommt auf den Platz, auf dem zuvor der 3. Finger gelegen hat. Der Daumen bleibt dabei möglichst entspannt:
Lagenspiel2

Zu Beginn ist häufig der enge Halbtonschritt zwischen 3. und 4. Finger eine Herausforderung. Man sollte nicht versuchen, die Tonhöhen durch sportliches Kippen und Wenden des Handgelenks hinzumurksen, sondern — bei stabiler Handstellung — die einzelnen Finger „schiebend“ korrigieren.

Es ist hilfreich, sich die Passage mehrmals abwechselnd in der ersten und dritten Lage vorzuspielen, um eine genaue Vorstellung der Tonhöhen zu bekommen. Und natürlich ist es nicht notwendig die sensiblen Ohren des Geigenspielers auf die klangliche Homogenität aufmerksam zu machen, welche die Verwendung der dritten Lage in diesem Fall mit sich bringt…

Veröffentlicht von

Heinz

Heinz hat Violine und Viola in Wien studiert und ist als Geigen- Bratschen- und Kammermusiklehrer tätig. Seine besondere Liebe gilt der Kammermusik, Franz Schubert und philologisch hervorragenden Notenausgaben. Derzeit lebt Heinz mit seiner Familie in Bamberg.

3 Gedanken zu „Wie spielt man auf der Geige in den Lagen?“

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