{"id":1767,"date":"2026-10-19T20:15:54","date_gmt":"2026-10-19T18:15:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/?p=1767"},"modified":"2026-10-19T20:22:28","modified_gmt":"2026-10-19T18:22:28","slug":"clemens-boeck-armgewicht-und-klang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/clemens-boeck-armgewicht-und-klang\/","title":{"rendered":"Kennst Du schon Clemens B\u00f6ck? Oder: Wie du durch den gekonnten Einsatz des Armgewichts \u201eKratzen\u201c vermeidest und zugleich mehr Klang entwickelst\u2026"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized is-style-default\"><a href=\"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Boeck-Clemens.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"552\" height=\"552\" src=\"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Boeck-Clemens.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1770\" style=\"object-fit:cover;width:690px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Boeck-Clemens.png 552w, https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Boeck-Clemens-150x150.png 150w, https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Boeck-Clemens-12x12.png 12w, https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Boeck-Clemens-300x300.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 552px) 100vw, 552px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Clemens B\u00f6ck ist Dozent bei der Musikwoche Gr\u00fcnbach seit 2026. Neben der klassischen Musik begeistert er sich auch f\u00fcr Volksmusik, Chorgesang und das Arrangieren.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Lieber Clemens, wie hast Du zu Deinem Instrument gefunden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin in einer musikalischen Familie aufgewachsen und bei uns wurde viel gesungen und musiziert. Da war es naheliegend, ein Instrument zu lernen. Dass ich mich bewusst f\u00fcr die Geige entschieden habe, lag weniger am &#8222;klassischen&#8220; Hintergrund meiner Eltern als vielmehr daran, dass daheim auch Volksmusik gemacht und geh\u00f6rt wurde und ich bereits im Vorschulalter eine besondere Vorliebe f\u00fcr den legend\u00e4ren Rudi Pietsch und seine Tanzgeiger entwickelte. Ich wollte auch \u201eTanzgeiger\u201c werden, und zum Gl\u00fcck hatte ich einen Opa, der mit mir auf der Ziehharmonika allerlei Polkas, L\u00e4ndler und Boarische einstudierte. Musikalisch war das wahrscheinlich meine tiefste Pr\u00e4gung, noch bevor ich Mozart, Schubert, Bruckner usw. kennenlernte. Das begleitet mich nebenbei bis heute.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Was waren f\u00fcr Dich die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen beim Geige lernen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da gab es einige \u2013 die grunds\u00e4tzlichste Herausforderung war sicher lange Zeit das regelm\u00e4\u00dfige und konsequente \u00dcben, was mir neben der Schule und anderen Interessen immer wieder recht schwerfiel. Im Konkreten waren es wohl eher k\u00f6rperliche und (fein-)motorische H\u00fcrden. In der Hinsicht war ich wohl nicht der Geschickteste \u2013 ganz am Anfang erinnere ich mich dunkel, dass mir schon das lange Stehen und das Hochhalten der Geige als f\u00fcnfj\u00e4hrigem Buben sehr anstrengend vorkamen und ich mich dazwischen immer wieder hinlegen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viel sp\u00e4ter, zu Beginn des Studiums \u2013 da hatte ich schon recht schwierige St\u00fccke gemeistert, aber technisch noch Aufholbedarf \u2013, ging es mit meiner damals neuen Lehrerin Klara Flieder wieder darum, die von ihr so genannte \u201eWillenlosigkeit der Finger\u201c der linken Hand, die zwar mitunter schnell, aber oft zu sehr im \u201eAutopilot\u201c unterwegs waren, mit geduldigen Finger\u00fcbungen (Schradieck u. a.) in den Griff zu bekommen. Das hat mir nachhaltig sehr geholfen, und Klara verdanke ich wirklich viel. \ud83d\ude0a<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Was war f\u00fcr Dich der sch\u00f6nste Moment auf der B\u00fchne?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab viele sch\u00f6ne Momente \u2013 vor allem in den letzten Jahren mit meinem Trio, aber auch zuvor im Quartett und im Jugendorchester. Besonders hervorheben k\u00f6nnte man vielleicht unser Saisonkonzert 2025 mit dem <em>accio piano trio<\/em> in der Stiftung Mozarteum Salzburg, wo wir nicht nur einen f\u00fcr uns ganz speziellen Rahmen mit vollem Saal hatten, sondern uns auch fast wie in einem \u201eHeimspiel\u201c vom Publikum befl\u00fcgelt f\u00fchlten und vieles emotionaler gelang als sonst. Der 3. Satz von Schostakowitschs zweitem Klaviertrio (ein unendlich trauriger j\u00fcdischer Klagegesang in Form einer um sich kreisenden Passacaglia, entstanden 1944) geht mir fast bei jeder Auff\u00fchrung unter die Haut, aber bei diesem Mal war es fast unheimlich\u2026 am Boden zerst\u00f6rt und wundersch\u00f6n zugleich.<br><em><br>Und der peinlichste Moment auf der B\u00fchne?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da gibt es einige Kandidaten. Eine besonders bl\u00f6de Geschichte passierte mir mit 16 Jahren auf meinem ersten \u201eAllegro vivo\u201c-Kurs in Horn, als ich kurz vor dem Teilnehmerkonzert auf die fatale Idee kam, bereits im Konzerthemd einen Becher Heidelbeerjoghurt zu \u00f6ffnen. Als ich die Alufolie herunterzog, kam mir das kr\u00e4ftig violette Joghurt explosionsartig entgegen und verteilte sich auf meinem wei\u00dfen Hemd. Da es mir v\u00f6llig aussichtslos schien, in diesem Hemd noch aufzutreten, aber kein zweites dabei hatte, klopfte ich in Folge an s\u00e4mtliche T\u00fcren des Sch\u00fclerheims, nur um festzustellen, dass alle offenbar beim Konzert waren. Schlie\u00dflich entschloss ich mich resigniert, in einem wei\u00dfen T-Shirt mit Freischwimmer-Abzeichen zu spielen, hatte aber durch die Aktion so viel Zeit verloren, dass ich zu sp\u00e4t zum Auftritt kam. Vor lauter Scham misslang meine Darbietung der Prokofjew-Solosonate elendiglich\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><em>Kannst Du uns etwas \u00fcber Deine Lieblingskomponistinnen und -komponisten, Lieblingsmusikstile oder Lieblingsst\u00fccke erz\u00e4hlen?<\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist ein schwieriges Thema. Ich durchlebe ja verschiedene Phasen und deshalb \u00e4ndern sich bei mir auch immer wieder die Lieblingskomponisten und -st\u00fccke, sowie der Fokus auf bestimmte Stile und Epochen. Wenn ich mich f\u00fcr drei Namen entscheiden m\u00fcsste f\u00fcr die einsame Insel, dann w\u00fcrde ich wahrscheinlich Mozart, Schubert und Mahler mitnehmen; aber auch ohne Bach, Haydn, Beethoven, Mendelssohn oder Bruckner w\u00fcrde mir auf Dauer etwas fehlen, neben vielen anderen\u2026 Wenn ich nur drei St\u00fccke herausgreifen m\u00fcsste (weniger schaffe ich nicht), w\u00fcrde ich mich Mozarts Requiem, Schuberts Streichquintett und Mahlers 3. Sinfonie nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In letzter Zeit bin ich auf die Werke gro\u00dfer Komponistinnen gesto\u00dfen, die man noch immer viel zu wenig kennt \u2013 z.B. Lili Boulanger oder C\u00e9cile Chaminade. Es gibt so viel gro\u00dfartige Musik und man darf nie aufh\u00f6ren, nach (pers\u00f6nlich wie allgemein) Unbekanntem zu suchen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Gibt es besondere musikalische W\u00fcnsche, die Du in Zukunft noch verwirklichen willst<\/em>?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe mich k\u00fcrzlich aus meinem langj\u00e4hrigen Klaviertrio zur\u00fcckgezogen, m\u00f6chte aber weiterhin viel Kammermusik machen und das reiche Repertoire des Streichtrios (evtl. auch mit verschiedenen Erweiterungsoptionen) zusammen mit meinen neuen Kolleginnen und Kollegen entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daneben reizt mich auch die historische Auff\u00fchrungspraxis mit Barockgeige und -bogen, der ich in n\u00e4chster Zeit mehr Aufmerksamkeit widmen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und ich m\u00f6chte vermehrt unterrichten, was ich bisher au\u00dferhalb der Kurswochen nur unregelm\u00e4\u00dfig gemacht habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Hast Du spezielle Aufw\u00e4rm\u00fcbungen? Wie gestaltest Du eine typische \u00dcbe-Einheit auf Deinem Instrument?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei mir beginnen die meisten \u00dcbetage mit Schradieck (1. Heft). Zum schnellen Aufw\u00e4rmen wechsle ich meistens zwischen dem 2. und 3., manchmal auch 1. \u00dcbungsabschnitt auf verschiedenen Saiten ab, die in der 1. Lage schon die meisten wesentlichen Grundgriffe abdecken \u2013 praktischerweise kann ich die f\u00fcr mich wichtigen Abschnitte mittlerweile auswendig, sodass ich mich in jeder Lebenslage (mitgenommene Geige vorausgesetzt) in 10-15 min anst\u00e4ndig einspielen kann \ud83d\ude09 Wichtig ist dabei (gegen die erw\u00e4hnte Willenlosigkeit der Finger), ein gem\u00e4\u00dfigtes Tempo zu w\u00e4hlen, das ein flexibles, aber gezieltes Niederfallen und Aufheben der Finger erm\u00f6glicht und sie in einem konstant federnden Zustand der \u201eVibratobereitschaft\u201c bel\u00e4sst. Erg\u00e4nzend \u00fcbe ich auch Doppelgriffe und Tonleitern. Ab und zu greife ich im Hinblick auf die Bogenhand auch zu den Einspiel\u00fcbungen von Simon Fischer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr alle \u00dcbeeinheiten an diversen St\u00fccken oder Et\u00fcden hat es sich f\u00fcr mich bew\u00e4hrt, mir die Zeit bewusst auf jeweils 25-30, max. 40 Minuten am St\u00fcck zu begrenzen und dann eine kurze Pause von 5-10 Minuten einzulegen. Das funktioniert f\u00fcr mein Hirn einfach besser, um einerseits konzentriert zu bleiben und weniger abzudriften, andererseits auch die insgesamte Zeit besser einzuteilen und ein kleines Erfolgserlebnis f\u00fcr jede geschaffte Einheit zu haben. Das motiviert zum Weitermachen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Welchen Tipp w\u00fcrdest Du einem Anf\u00e4nger auf dem Klavier geben, wenn Du ihn in der U-Bahn triffst?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nimm Dir nicht zu viel auf einmal vor und versuche wirklich t\u00e4glich mit nur 15-30 Minuten konzentriertem \u00dcben zu beginnen \u2013 nach dem Motto \u201eLieber aufh\u00f6ren, wenn\u2018s gerade erst Spa\u00df macht und nicht bis ans Konzentrationslimit gehen. Das hilft konsequent dranzubleiben \u2013 es wird sich bald lohnen! \ud83d\ude0a<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Clemens&#8216; Tipp: Wie kann ich an der unteren Bogenh\u00e4lfte locker und entspannt bleiben und gleichzeitig einen satten Klang ohne zu Kratzen entwickeln?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insbesondere in meiner Arbeit mit Erwachsenen beobachte ich immer wieder, dass es vielen schwerf\u00e4llt, das nat\u00fcrliche Gewicht des Arms f\u00fcr einen vollen, tragf\u00e4higen Klang zu nutzen. Gerade in der unteren Bogenh\u00e4lfte f\u00fchrt die Angst vor Kratz- oder Knarzger\u00e4uschen h\u00e4ufig zu einem Unbehagen, das sich in unterschiedlichen unbewussten Vermeidungsstrategien \u00e4u\u00dfert: Manche meiden den Frosch, andere knicken das Handgelenk ab, heben den Bogen durch eine Anspannung in der Schulter an, kanten ihn \u00fcberm\u00e4\u00dfig oder erh\u00f6hen die Bogengeschwindigkeit, um m\u00f6glichst rasch wieder in einen Bereich zu gelangen, in dem sie sich sicherer f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei k\u00f6nnen gerade diese Strategien die Klangkontrolle erschweren und unerw\u00fcnschte Nebenger\u00e4usche beg\u00fcnstigen. Wie kann es gelingen, diese ung\u00fcnstigen Bewegungsmuster zu ver\u00e4ndern? Meines Erachtens kommt es dabei auf drei Aspekte an:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>das nat\u00fcrliche Gewicht des Arms auf der Saite bewusst wahrzunehmen und zuzulassen,<\/li>\n\n\n\n<li>den Einsatz des Armgewichts gezielt dosieren zu lernen, um einen gleichm\u00e4\u00dfigen, tragf\u00e4higen Klang ohne st\u00f6rende Nebenger\u00e4usche zu erzeugen,<\/li>\n\n\n\n<li>die Finger bewusst in die Bogenf\u00fchrung einzubeziehen und ihre Rolle bei der \u00dcbertragung und Regulierung des Armgewichts zu verstehen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Armgewicht wahrnehmen und zulassen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit folgender \u00dcbung m\u00f6chte ich meine Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler daf\u00fcr sensibilisieren, das nat\u00fcrliche Armgewicht auf der Saite wahrzunehmen und zuzulassen: Wir legen den Bogen am Frosch locker auf eine der mittleren Saiten. Daf\u00fcr empfiehlt sich eine Kontaktstelle nahe am Steg. Zun\u00e4chst ersp\u00fcren wir nur den Kontakt der Bogenhaare mit der Saite, ohne zu streichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir achten auf ein relativ gerades Handgelenk und eine zur Saitenebene passende Ellbogenh\u00f6he, sodass Unterarm und Handr\u00fccken eine fast gerade Linie bilden, ohne dass wir dabei fest werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt halten wir den Bogen abwechselnd so, dass er zuerst ganz locker nur mit seinem Eigengewicht (immerhin gut 60 Gramm) auf der Saite liegt \u2013 wir heben ihn also weder an noch dr\u00fccken wir zus\u00e4tzlich hinein. Dann versuchen wir, langsam und noch immer ohne zu streichen, unser Armgewicht bei praktisch unver\u00e4nderter Haltung auf die Saite wirken zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hand liegt dabei m\u00f6glichst locker auf der Bogenstange. Wir versuchen, vor allem mit den mittleren Fingern guten Kontakt zur Stange zu halten. Dabei hilft uns die kleine Kuhle im Bereich der Endgelenke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir einige Male zwischen Bogen- und Armgewicht abgewechselt, den Unterschied bewusst gesp\u00fcrt und das jeweilige Gef\u00fchl wiedergefunden haben, k\u00f6nnen wir ausgehend vom \u201eschweren\u201c Zustand einen mutigen Abstrich wagen, bei dem das Armgewicht bewusst zum Einsatz kommt. Achtung: Stegn\u00e4he ist jetzt besonders wichtig! Der Ton muss dabei \u00fcberhaupt nicht sch\u00f6n klingen. Zun\u00e4chst kann ein hartes Anspracheger\u00e4usch (\u201eKratzen\u201c) entstehen. Keine Scheu vor der eigenen Kraft, aber auch kein Dr\u00fccken \u2013 nur Gewicht!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Armgewicht dosieren<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem wir einige kontrollierte Abstricht\u00f6ne geschafft haben, geht es im n\u00e4chsten Schritt darum, das Armgewicht w\u00e4hrend der Strichbewegung gezielt zu dosieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir \u00fcben zun\u00e4chst wieder trocken, das Armgewicht am Frosch hinein- und herauszunehmen. Dann versuchen wir, zun\u00e4chst nur mit dem Eigengewicht des Bogens sanft loszustreichen, ohne den Bogen dabei anzuheben. Erst etwa ab dem zweiten Zentimeter lassen wir unser Armgewicht wie zuvor sanft hineinsinken, sodass es w\u00e4hrend der Strichbewegung allm\u00e4hlich auf die Saite \u00fcbertragen wird. Hier helfen uns flexible Finger, die den Kontakt zwischen Hand und Bogenstange aufrechterhalten und die Gewichts\u00fcbertragung unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei kann auch die Vorstellung helfen, eine Katze (oder wahlweise einen kleinen Hund) kr\u00e4ftig, aber dennoch liebevoll von Kopf bis Schwanz zu streicheln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einer g\u00fcnstigen Kontaktstelle, etwa in der Mitte zwischen Steg und Griffbrett, sollte sich der Ton nach ein paar Versuchen bereits recht wohlig und voll anh\u00f6ren. Eventuell noch vorhandene Nebenger\u00e4usche k\u00f6nnen verschiedene Ursachen haben: Neben einer ung\u00fcnstigen Kontaktstelle oder einem nicht ganz geraden Strich kann auch das Verh\u00e4ltnis zwischen Bogengeschwindigkeit und Armgewicht noch nicht stimmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im n\u00e4chsten Schritt versuchen wir, auch im Aufstrich \u2013 also von der Spitze oder der Bogenmitte in Richtung Frosch \u2013 wieder ganz langsam und stufenlos in dieses Gef\u00fchl des schweren Arms in der Saite zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei kann es helfen, sich vorzustellen, den Bogen mit der Hand fast waagrecht in die Geige hineinzuschieben, auch hier ohne zu dr\u00fccken. Besonders im Aufstrich sollten wir darauf achten, mit dem Handgelenk nicht zu weit nach oben auszuweichen. So bleibt die Handbewegung flexibel, und der Zeigefinger kann den Kontakt zur Bogenstange nutzen, um die Gewichts\u00fcbertragung gezielt zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Finger der Bogenhand gezielt einsetzen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die Beteiligung der Finger an der Bogenf\u00fchrung und an der Kraft\u00fcbertragung des Armgewichts zu schulen, empfehle ich eine weitere einfache, aber effektive \u00dcbung: Wir streichen ganz langsam und gleichm\u00e4\u00dfig mit ganzem Bogen auf leeren Saiten, halten den Bogen dabei aber nur mit drei Fingern der rechten Hand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daf\u00fcr gibt es zwei sinnvolle Varianten (der Daumen bleibt als stabilisierender Faktor von unten immer dabei).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens: Wir verwenden<strong> Mittel- und Ringfinger<\/strong> \u2013 gemeinsam mit dem Daumen  bildet dies unser \u201eKraftzentrum\u201c (\u00a9 Klara Flieder):<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_6693.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"395\" height=\"272\" src=\"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_6693.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1774\" srcset=\"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_6693.jpeg 395w, https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_6693-300x207.jpeg 300w, https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_6693-17x12.jpeg 17w\" sizes=\"auto, (max-width: 395px) 100vw, 395px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens: Wir verwenden <strong>Zeige- und Ringfinger<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_6700.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"421\" height=\"316\" src=\"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_6700.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1773\" srcset=\"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_6700.jpeg 421w, https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_6700-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_6700-16x12.jpeg 16w\" sizes=\"auto, (max-width: 421px) 100vw, 421px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich empfehle, mit der leichteren Variante zu beginnen und anschlie\u00dfend beide abwechselnd zu \u00fcben. Welche Version sich schwieriger anf\u00fchlt, kann Hinweise darauf geben, welche Finger in der bisherigen Bogenf\u00fchrung zu wenig Verantwortung \u00fcbernommen haben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00e4ufig haben gerade die mittleren Finger zu wenig Kontakt zur Bogenstange. Der Bogen wird vor allem mit Zeigefinger, kleinem Finger und Daumen gehalten, w\u00e4hrend die beiden mittleren Finger eher passiv \u00fcber der Stange liegen oder sie umgreifen, ohne ausreichend von oben Kraft \u00fcbertragen zu k\u00f6nnen. Wenn andere Finger als Stabilisatoren wegfallen, m\u00fcssen die verbleibenden Finger ihre Funktion st\u00e4rker \u00fcbernehmen. So l\u00e4sst sich ihre Beteiligung gezielt schulen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Drei-Finger-\u00dcbung eignet sich au\u00dferdem f\u00fcr bogentechnisch schwierige Stellen. Ich verwende sie selbst gerne bei Passagen mit vielen Saitenwechseln. Die Bewegung soll dann nicht allein von Zeige- und kleinem Finger gesteuert werden, sondern m\u00f6glichst \u00f6konomisch aus dem Zusammenspiel des \u201eKraftzentrums\u201c der Hand mit Handgelenk und Arm entstehen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lieber Clemens, wie hast Du zu Deinem Instrument gefunden? Ich bin in einer musikalischen Familie aufgewachsen und bei uns wurde viel gesungen und musiziert. Da war es naheliegend, ein Instrument zu lernen. Dass ich mich bewusst f\u00fcr die Geige entschieden habe, lag weniger am &#8222;klassischen&#8220; Hintergrund meiner Eltern als vielmehr daran, dass daheim auch Volksmusik &hellip; <a href=\"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/clemens-boeck-armgewicht-und-klang\/\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Kennst Du schon Clemens B\u00f6ck? 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