{"id":321,"date":"2015-05-11T17:52:49","date_gmt":"2015-05-11T15:52:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/?p=321"},"modified":"2024-02-04T08:24:21","modified_gmt":"2024-02-04T07:24:21","slug":"wie-gehe-ich-mit-gedruckten-fingersaetzen-in-den-noten-um","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wie-gehe-ich-mit-gedruckten-fingersaetzen-in-den-noten-um\/","title":{"rendered":"Wie gehe ich mit gedruckten Fingers\u00e4tzen in den Noten um?"},"content":{"rendered":"<p>Mozart oder Tschaikowski haben ihre Komposition nicht mit Fingers\u00e4tzen versehen. Auch bei Vivaldi oder Strawinksy sucht man sie vergeblich &#8212; wie bei den meisten bekannten Komponisten. Im 19. Jahrhundert begannen allerdings zahlreiche Musikverlage Notenausgaben herauszubringen, die ganz gezielt an konkrete instrumentalpraktische Gegebenheiten angepasst wurden und nicht selten gro\u00dfz\u00fcgige Zus\u00e4tze der Herausgeber enthielten.<!--more--> Die Urheber dieser eingerichteten Notenausgaben waren h\u00e4ufig f\u00fchrende Musiker und nicht selten zudem bekannte P\u00e4dagogen, die es f\u00fcr wertvoll erachteten, ihre eigenen praktischen oder p\u00e4dagogischen Erfahrungen mit der geb\u00fchrenden Autorit\u00e4t f\u00fcr die Allgemeinheit zu fixieren.<\/p>\n<p>Heute sind f\u00fcr die musikalische Praxis wieder eher &#8222;cleane&#8220; Notentexte, die der urspr\u00fcnglichen Niederschrift des Komponisten nahe kommen, popul\u00e4r &#8212; die in den 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnene &#8222;historisch informierte Auff\u00fchrungspraxis&#8220; hat ihren Teil dazu beigetragen. Doch verschwunden sind die eingerichteten Noten keineswegs. Einerseits f\u00fchrt die kostenlose und st\u00e4ndige Verf\u00fcgbarkeit von gemeinfreien Notenausgaben \u00fcber Internet-Plattformen (die Schutzfrist des Urheberrechts l\u00e4uft nach 70 Jahren aus) wieder zu einem vermehrten Gebrauch historischer Editionen und andererseits werden von Musikverlagen nach wie vor Notenausgaben &#8212; vor allem von Werken, die in der klassischen Musikausbildung wichtig sind &#8212; mit Fingers\u00e4tzen oder anderen spielpraktischen Erg\u00e4nzungen angeboten.<\/p>\n<h2>Ein Hoheitsgebiet des Musikers<\/h2>\n<p>Fingers\u00e4tze sind &#8212; vielleicht noch mehr als alle anderen Aspekte des Musizierens &#8212; ein unanfechtbares Hoheitsgebiet des ausf\u00fchrenden Musikers. Und das mit gutem Grund, denn die damit in Zusammenhang stehenden physiologische und technische Voraussetzungen, spielpraktischen Vorlieben und Stil- und Klanggef\u00fchl sind hoch-individuelle Angelegenheiten. So kann etwa ein Geiger oder sogar Bratschist mit gro\u00dfen H\u00e4nden mit der Zeit Vorlieben f\u00fcr weite Streckungen entwickeln, wohingegen eine Geigerin mit eher zierlichen H\u00e4nden an den entsprechenden Stellen stets die Option des Lagenwechsels w\u00e4hlt. Oder der eine lernt in der Barockmusik den hellen, offenen Klang der <a href=\"http:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/lagenspiel-und-immerwaehrendes-vibrato-oder-sollte-man-leere-saiten-beim-geigenspiel-tunlichst-vermeiden\/\" title=\"Lagenspiel und immerw\u00e4hrendes Vibrato. Oder: sollte man leere Saiten beim Geigenspiel tunlichst vermeiden?\">leeren Saiten<\/a> zu sch\u00e4tzen, w\u00e4hrend der andere nicht auf ein Vibrato-reiches und eher weiches Klangbild verzichten m\u00f6chte und daher versucht, leere Saiten nach M\u00f6glichkeit zu vermeiden. Und nat\u00fcrlich gibt es schlie\u00dflich auch Geigen, Bratschen, Celli etc., denen ganz bestimmte Register auf den einzelnen Saiten mehr oder weniger gut zu Gesicht stehen und dem Spieler damit gewisse Fingers\u00e4tze nahelegen.<\/p>\n<h2>Eigene L\u00f6sungen finden<\/h2>\n<p>Bei der Wahl der Fingers\u00e4tze kann man die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Freiheit f\u00fcr sich als Musiker beanspruchen. Leitbild d\u00fcrfen und sollen die eigenen technischen M\u00f6glichkeiten und musikalische Ideale sein &#8212; gedruckte Fingers\u00e4tze im Notentext stellen nicht mehr als eine mehr oder weniger wertvolle Anregung dar und sind gegebenenfalls einfach mit Bleistift zu \u00fcberschreiben oder durchzustreichen.<\/p>\n<p>Zuguterletzt m\u00f6chte ich aber zumindest auf Spezialf\u00e4lle aufmerksam machen, in denen vorgegebene Fingers\u00e4tze unbedingt beherzigt werden sollten: Bei Et\u00fcden oder \u00dcbungen, die speziell im Hinblick auf bestimmte technische Problemstellungen (wie bestimmte Handstellungen, Doppelgriff-Positionen, <a href=\"http:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wie-spielt-man-auf-der-geige-in-den-lagen\/\" title=\"Wie spielt man auf der Geige in den Lagen?\">Lagenspiel<\/a> oder spezielle bogentechnische Herausforderungen) konzipiert wurden, k\u00f6nnte ein Ab\u00e4ndern oder Anpassen des Fingersatzes mitunter das zugrunde liegende didaktische Konzept durchkreuzen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mozart oder Tschaikowski haben ihre Komposition nicht mit Fingers\u00e4tzen versehen. Auch bei Vivaldi oder Strawinksy sucht man sie vergeblich &#8212; wie bei den meisten bekannten Komponisten. Im 19. Jahrhundert begannen allerdings zahlreiche Musikverlage Notenausgaben herauszubringen, die ganz gezielt an konkrete instrumentalpraktische Gegebenheiten angepasst wurden und nicht selten gro\u00dfz\u00fcgige Zus\u00e4tze der Herausgeber enthielten.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[117,112,3],"tags":[47,20,15,16,19,48,43,32],"class_list":["post-321","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bratsche-kurs","category-geige-kurs","category-richtig-ueben","tag-fingersaetze","tag-klang","tag-lagenspiel","tag-lagenwechsel","tag-leere-saite","tag-musikgeschichte","tag-musiktheorie","tag-repertoire"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/321","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=321"}],"version-history":[{"count":42,"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/321\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":945,"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/321\/revisions\/945"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=321"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=321"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=321"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}