{"id":366,"date":"2015-05-18T17:45:20","date_gmt":"2015-05-18T15:45:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/?p=366"},"modified":"2024-02-04T08:22:47","modified_gmt":"2024-02-04T07:22:47","slug":"die-kontaktstelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/die-kontaktstelle\/","title":{"rendered":"Die Kontaktstelle"},"content":{"rendered":"<p>Jemand, der schon l\u00e4ngere Zeit Geige, Bratsche oder Cello spielt, aber dessen erste Assoziation bei dem Begriff &#8222;Kontaktstelle&#8220; ein vielleicht unmoralisches Angebot ist, der ist entweder ein Schelm, der b\u00f6ses dabei denkt, oder hat einen der zentralen Aspekte der Tongebung auf dem Streichinstrument bislang zu wenig beachtet.<!--more--><\/p>\n<p>Es ist erstaunlich: Jeder Geigenspieler muss sich bereits ganz zu Beginn im Geigenunterricht gezielt mit dem geraden Streichen und der Kontrolle der Kontaktstelle besch\u00e4ftigen (gemeint ist nat\u00fcrlich die Stelle, an welcher der Bogen beim Streichen die Saite ber\u00fchrt) und lotet dabei mehr oder weniger willk\u00fcrlich die Extremwerte der Tongebung aus. Doch sobald die ersten Anfangsh\u00fcrden, die gr\u00f6bsten Kratz-, Schnarr- oder S\u00e4uselger\u00e4usche, eliminiert sind, erf\u00e4hrt die Auseinandersetzung mit den Agenden der Kontaktstelle eine sprichw\u00f6rtlich stiefm\u00fctterliche Behandlung. V\u00f6llig zu Unrecht.<\/p>\n<h2>Alle M\u00f6glichkeiten nutzen<\/h2>\n<p>Bei der Streichbewegung haben wir im Grunde drei Hauptfaktoren, welche die Ansprache der Saite und die Klangqualit\u00e4t ma\u00dfgeblich beeinflussen und stark voneinander abh\u00e4ngen: Bogendruck, Bogengeschwindigkeit und die Kontaktstelle. Man kann diese drei folgenden Qualit\u00e4ten der Tongebung schematisch zuordnen:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th>leichte Ansprache &#8212; &#8222;matter&#8220; Klang<\/th>\n<th>schwere Ansprache &#8212; obertonreicher Klang<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>niedrige Bogengeschwindigkeit<\/td>\n<td>hohe Bogengeschwindigkeit<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>hoher Bogendruck<\/td>\n<td>niedriger Bogendruck<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Kontaktstelle beim Griffbrett<\/td>\n<td>Kontaktstelle beim Steg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Es ist die Reihe an Kombinationsm\u00f6glichkeiten dieser Parameter, die uns als Streich-Instrumentalisten das wohl h\u00f6chste Ma\u00df an klanglichen Freir\u00e4umen bescheren. Umso einschr\u00e4nkender wirkt es sich allerdings aus, wenn wir einen dieser Parameter vernachl\u00e4ssigen. Eine falsche Kontaktstelle zwingt uns geradewegs dazu, die Bogengeschwindigkeit oder den Bogendruck anzupassen, um die Ansprache der Saite dennoch zu gew\u00e4hrleisten. Der damit einhergehende regelrechte Kampf um den Klang &#8212; die unr\u00fchmliche Allzweckwaffe ist die \u00fcberschie\u00dfende Anpassung des Bogendrucks &#8212; hat nur noch selten mit einer gelungenen Interpretation oder den dynamischen Bezeichnungen in den Noten zu tun.<\/p>\n<h2>Zwei Anregungen &#8212; schwungvolle Akkorde und ein gediegenes Pianissimo<\/h2>\n<p>Mehrstimmige, gebrochene Akkorde (<a href=\"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/endlich-akkorde-meistern\/\">siehe auch: Endlich Akkorde meistern)<\/a> geh\u00f6ren zu den besonderen Herausforderungen am Streichinstrument. Meistens ben\u00f6tigen wir einen erh\u00f6hten Bogendruck w\u00e4hrend der Akkordbrechung. Einer der Kardinalfehler bei &#8222;\u00fcberdr\u00fcckten&#8220; Akkorden ist eine Kontaktstelle zu nahe am Griffbrett.<\/p>\n<p>Ganz nahe am Griffbrett &#8212; <em>sul tasto<\/em> &#8212; gelingt daf\u00fcr ein sehr weiches <em>pianissimo<\/em>. Es lohnt sich in diesem Fall besonders auch unterschiedliche Bogengeschwindigkeiten auszuprobieren und klanglich zu experimentieren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jemand, der schon l\u00e4ngere Zeit Geige, Bratsche oder Cello spielt, aber dessen erste Assoziation bei dem Begriff &#8222;Kontaktstelle&#8220; ein vielleicht unmoralisches Angebot ist, der ist entweder ein Schelm, der b\u00f6ses dabei denkt, oder hat einen der zentralen Aspekte der Tongebung auf dem Streichinstrument bislang zu wenig beachtet.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[117,112,12],"tags":[23],"class_list":["post-366","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bratsche-kurs","category-geige-kurs","category-spieltechnik","tag-bogentechnik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/366","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=366"}],"version-history":[{"count":43,"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/366\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1480,"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/366\/revisions\/1480"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}