{"id":1575,"date":"2023-06-26T20:25:51","date_gmt":"2023-06-26T18:25:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/?p=1575"},"modified":"2024-02-04T08:04:02","modified_gmt":"2024-02-04T07:04:02","slug":"kein-platz-fur-angst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/kein-platz-fur-angst\/","title":{"rendered":"Kein Platz f\u00fcr Angst! 2 Tipps, wie man beim \u00dcben positive Emotionen trainiert und dem Lampenfieber ein Schnippchen schl\u00e4gt."},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Koffer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"509\" src=\"http:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Koffer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1601\" srcset=\"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Koffer.jpg 725w, https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Koffer-300x211.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Angstgef\u00fchle, Sorgen und Lampenfieber sind ein h\u00e4ufiges Thema beim Musizieren. Und sie k\u00f6nnen jeden treffen. Ein heikler Lagenwechsel, eine schnelle Passage oder die Anwesenheit einer vermeintlich kritischen Person &#8212; und wir bekommen es mit der Angst zu tun. Beim Auftreten vor Publikum trifft so manch einen die Angst oder das Lampenfieber wie eine Keule, unerwartet und heftig. Ausl\u00f6ser sind nicht allzu selten &#8222;Angststellen&#8220;, also bestimmte Passagen, die wir bereits beim \u00dcben mit einem gewissen Gef\u00fchl der Sorge und Unsicherheit belegt haben. Verfestigen sich diese Gef\u00fchle, k\u00f6nnen sie sich zu einem schier un\u00fcberwindbaren Hindernis auswachsen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Frei von Angst zu musizieren, auch vor Publikum, ist hingegen ein wunderbares Erlebnis (klar, eine gewisse Spannung und ein gewisses Ma\u00df an Lampenfieber geh\u00f6ren dazu und k\u00f6nnen bekannterma\u00dfen auch produktiv und befl\u00fcgelnd wirken). Zum Gl\u00fcck tragen wir in uns selbst die M\u00f6glichkeiten, uns diesen Wunsch zu erf\u00fcllen. So m\u00f6chte ich im Folgenden Tipps geben, wie wir Angstgef\u00fchle einerseits durch einen Transfer positiver Emotionen (etwa aus dem nicht-musikalischen Alltag) und andererseits mit einem Fokus auf den musikalischen Ausdruck wegtrainieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Grundgedanke: Angst und Sorgen beim \u00dcben durch positive Emotionen ersetzen<\/h2>\n\n\n\n<p><a><\/a> Der Grundgedanke ist, dass wir Angst und Sorge durch jene Gef\u00fchle ersetzen, die wir empfinden m\u00f6chten. Das klingt banal, funktioniert aber. Und es muss &#8212; wie beinahe alles am Instrument &#8212; trainiert und ge\u00fcbt werden!<\/p>\n\n\n\n<p>Musik dr\u00fcckt Gef\u00fchle aus. T\u00f6ne, Phrasen, Melodien sind Erz\u00e4hlungen von Gef\u00fchlen. Beim \u00dcben fokussieren wir hingegen technische Herausforderungen. Das ist wichtig und richtig, kann aber manchmal auch problematisch sein. Beim \u00dcben eines weiten Lagenwechsels kann etwa der Fokus auf das Gelingen des technischen Aspekts liegen, Emotionalit\u00e4t oder Ausdruck spielen keine Rolle mehr. Stattdessen lassen wir die Sorge, ob wir den Ton wohl treffen werden, das Ruder \u00fcbernehmen. Und so \u00fcben wir nicht nur einen Lagenwechsel, sondern trainieren an dieser Stelle des St\u00fcckes die Sorge oder sogar Angst vor dem n\u00e4chsten Ton gleich mit &#8212; keine gute Strategie!<\/p>\n\n\n\n<p>Im besten Fall treffen wir den Ton bei der Auff\u00fchrung. Was n\u00fctzt es aber, wenn uns dann gerade die Unsicherheit \u00fcbermannt. Oder wenn wir &#8212; und dass ist sicher der angenehmere Fall &#8212; die ganze Passage mit dem falschen musikalischen Ausdruck darbieten? Ich w\u00fcrde dann schon eher f\u00fcr den umgekehrten Weg pl\u00e4dieren: richtiger Ausdruck und &#8212; wenn es dann eben passiert &#8212; falscher Ton! (Klar, Ziel ist nat\u00fcrlich der richtiger Ton und der passende Ausdruck!).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2 \u00dcbungen, wie sich \u00c4ngste beim \u00dcben ganz konkret wegtrainieren lassen<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcbung 1: K\u00f6rpergef\u00fchl, musikalischer Ausdruck, Lebenserfahrung und Phantasie<\/h3>\n\n\n\n<p>Lasst uns sp\u00fcren, wie wir K\u00f6rpergef\u00fchl und musikalisches Gef\u00fchl miteinander verbinden k\u00f6nnen!<\/p>\n\n\n\n<p>Nehmen wir an, wir m\u00f6chten einen satten, vollen, souver\u00e4nen, zufriedenen, \u00fcberzeugten Klang produzieren, also ein Grundgef\u00fchl, das ganz kontr\u00e4r zur Angst steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wann haben wir so eine Situation kennengelernt? Oder wie stellen wir uns so eine Situation vor? Deiner Lebenserfahrung und deiner Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt\u2026<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Letztens habe ich einem Sch\u00fcler folgendes Bild gegeben: Kannst du dir vorstellen, wie es sich anf\u00fchlt in einem gl\u00e4nzenden Mercedes zu sitzen? Sch\u00f6nes Wetter. Du stehst an der Ampel, h\u00f6rst das Motorger\u00e4usch und freust dich aufs Losfahren. Wie f\u00fchlst du dich als so ein Mercedesfahrer? Zufrieden, reich, souver\u00e4n, \u00fcberlegen, herrschaftlich, frei&#8230;(Ich wei\u00df nicht, welche Assoziationen er hatte, aber K\u00f6rperhaltung und Klang waren \u00fcberzeugend.)<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wie f\u00fchlt sich dein K\u00f6rper an, wenn du dich in diese Situation hineindenkst und hineinf\u00fchlst? Arme, Schulter, R\u00fccken, Beine, Atmung&#8230; Und in dieser Stimmung spiele nun zuerst einfach leere Saiten und danach eine kleine Phrase. Wichtig: Dein erstes und vorerst einziges Ziel ist es, dieses befriedigende Gef\u00fchl zu behalten!<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Nachdem der Sch\u00fcler einen \u00fcberzeugenden \u201eMercedes-Klang\u201c dargeboten hat, habe ich versuchshalber gefragt: Und wie klingt es, wenn du dir vorstellst in einem Porsche zu sitzen? Was habe ich gelacht, wie deutlich der Unterschied war!<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcbung 2: musikalischer Ausdruck<\/h3>\n\n\n\n<p>Lasst uns nun einen gr\u00f6\u00dferen Lagenwechsel nach oben, wie zu Beginn erw\u00e4hnt, unter die Lupe nehmen. Am besten gleich aus dem St\u00fcck, das du gerade \u00fcbst. Die &#8222;hard facts&#8220; m\u00fcssen zuerst gekl\u00e4rt sein, nicht aber ge\u00fcbt! Wie beispielsweise: Von wo aus starte ich? Wie soll der Zielton klingen? In welcher Lage lande ich? Um welches Intervall handelt es sich? Welchen Bogenstrich verwende ich?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schritt 1<\/h3>\n\n\n\n<p>Was wollte der Komponist mit diesem gro\u00dfen Intervall ausdr\u00fccken? Meist sind es positive Gef\u00fchlen wie: Freude, Jubel, \u00dcberschwang oder Begeisterung. Sammle passende Worte und Bilder f\u00fcr die Stelle. So wie du sie spielen m\u00f6chtest.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann versetze dich in eine Situation aus dem Alltag: Wenn wir uns begeistern, Freude oder Jubel empfinden, dann wird unsere Stimme lauter, intensiver, h\u00f6her oder wir lassen gar einen Juchezer raus. Probier&#8217;s gleich mal aus. Juhuuii! Was macht deine Stimme? Wie klingt sie? Und so wir k\u00f6nnen an unserem K\u00f6rper etwas ganz Wunderbares beobachten. Was machen wir, wenn wir jubeln? Wir springen auf vor Freude, wir werfen die Arme in die H\u00f6he, wir zeigen mit dem ganzen Arm voller Begeisterung auf das Sch\u00f6ne, das wir gerade entdeckt haben usw. Gerade die Arme machen eine freie, gro\u00dfz\u00fcgige Bewegung. Und genau dieses Gef\u00fchl im Arm k\u00f6nnen wir f\u00fcr den Lagenwechsel n\u00fctzen. Pl\u00f6tzlich ist eine Oktave ganz klein f\u00fcr den Arm, weil er vor Begeisterung am liebsten \u00fcbers ganze Griffbrett sausen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem K\u00f6rpergef\u00fchl singe dann den Tonwechsel und machen in der Luft eine Lagenwechselbewegung, die ein Zwischending aus technischer Ausf\u00fchrung am Instrument und einer nat\u00fcrlichen emotionalen Geste ist. Wiederhole das ein paar Mal. Freue dich \u00fcber dein unbeschwertes K\u00f6rpergef\u00fchl und speichere es.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schritt 2<\/h3>\n\n\n\n<p>Dann erst n\u00e4here dich den genauen T\u00f6nen. Das Ohr gibt R\u00fcckmeldung, ob der Lagenwechsel passend war. Auch hier gilt: Versuche nicht sofort den korrekten Ton zu treffen, sondern spiele mit der Intensit\u00e4t deiner Gef\u00fchle. Der erste Versuch geht oft viel zu weit. Das ist gut so! Schon deshalb, weil dein K\u00f6rper sich freier und unbefangen bewegen durfte. Zu wenig weit \u2014 hat sich vielleicht doch bremsende Angst eingeschlichen? Manchmal wollen wir auch zu sehr kontrollieren, weil wir unserem K\u00f6rpergef\u00fchl zu wenig vertrauen. Reflektiere selbst bevor du eine Wiederholung spielst. Versuche dann technische und emotionale Bewegung zusammenflie\u00dfen zu lassen. Nimm die vielen Versuche, die du machen wirst, als Informationsquelle und wiederhole m\u00f6glichst oft die ideale Version. Und zwar genau mit dem Gef\u00fchl, das du auf der B\u00fchne empfinden m\u00f6chtest!<\/p>\n\n\n\n<p>Sei es nun ein Gef\u00fchl, das wir bewusst einsetzen oder ein Gef\u00fchl, das durch die gespielte Musik erzeugt wird \u2014 es bleibt kein Platz f\u00fcr Angst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angstgef\u00fchle, Sorgen und Lampenfieber sind ein h\u00e4ufiges Thema beim Musizieren. 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