{"id":851,"date":"2016-08-20T08:46:37","date_gmt":"2016-08-20T06:46:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/?p=851"},"modified":"2024-02-04T08:26:42","modified_gmt":"2024-02-04T07:26:42","slug":"von-e-geigen-und-e-geigern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/von-e-geigen-und-e-geigern\/","title":{"rendered":"Von E-Geigen und E-Geigern"},"content":{"rendered":"<p>Vorbei sind die Zeiten, in denen sich grie\u00dfgr\u00e4mige, alte Miesmacher lautstark \u00fcber &#8222;Stromklampfen&#8220; oder &#8222;Dosenklaviere&#8220; mokierten und das Wort E-Gitarre am liebsten mit &#8222;Ernste Gitarre&#8220; \u00fcbersetzt haben wollten. L\u00e4ngst haben elektronische Instrumente aller Art Eingang in die Mitte unseres Musiklebens gefunden: die E-Gitarre begann vor mittlerweile mehr als einem halben Jahrhundert ihren Siegeszug, Keyboards bzw. Synthesizer geh\u00f6ren zu den auf B\u00fchnenshows am h\u00e4ufigsten eingesetzten Instrumenten. Beinahe vergessen scheint hingegen die Tatsache, dass Leo Fender bereits in den 50er Jahren nicht nur E-Gitarren, sondern auch einige wenige E-Geigen produzierte, die haupts\u00e4chlich von Jazz- und Bluesmusikern gespielt wurden. Denn anders als die E-Gitarre begann die elektrische Violine erst ab den 1990er Jahren wirklich popul\u00e4r zu werden &#8212; man erinnert sich noch dunkel an das geigende Pop-Sternchen Vanessa Mae. In letzter Zeit erlebt nicht nur die Geige, sondern insbesondere die E-Geige einen neuerlichen H\u00f6henflug, der vor allem von Lindsey Stirling befl\u00fcgelt wird, die bei ihren Nummern auch neuere Musikgenres wie Dubstep und Elektro integriert.<!--more--><\/p>\n<h2>Arten von E-Geigen: &#8222;Elektro-akustisch&#8220; vs. &#8222;Solidbody&#8220;<\/h2>\n<p>Jeder, der sich schon einmal durch ein paar youtube-Videos von E-Geige(r)n geklickt hat ahnt es: der Vielfalt an Formen und Kl\u00e4ngen von E-Violinen scheinen beinahe keine Grenzen gesetzt.<\/p>\n<p>Sehr h\u00e4ufig sieht man &#8222;normale Geigen&#8220;, die nachtr\u00e4glich zu E-Geigen umger\u00fcstet werden. So ist etwa Lindsey Stirling bei ihrem Videoclip zu ihrem Hit &#8222;Crystallize&#8220; mit einer klassischen Violine zu sehen, die nachtr\u00e4glich mit einem Tonabnehmer ausgestattet wurde. Bei solch einem Umbau muss man sich \u00fcberlegen, wie invasiv der Eingriff sein darf. F\u00fcr eine Geige, die auch im klassischen Bereich eingesetzt wird, werden in der Regel Tonabnehmer bevorzugt, die keine oder nur wenige Ver\u00e4nderungen am Instrument erfordern.<\/p>\n<p>In ihrer Bauform zumeist nicht oder nicht stark (oft sind es vor allem kreative Lackierungen) von &#8222;herk\u00f6mmlichen&#8220; Violinen zu unterscheiden, sind sogenannten elektro-akustischen Violinen (engl. &#8222;Acoustic-Electric Violins&#8220;), die mit einem fest montierten, zumeist passiven Tonabnehmer ausgestattet sind. Bei diesen Instrumenten muss beachtet werden, dass sie unverst\u00e4rkt genauso laut wie &#8222;normale&#8220; Geigen klingen. Vorteile gegen\u00fcber der nachtr\u00e4glichen Verst\u00e4rkung einer herk\u00f6mmlichen Geige besteht vor allem darin, dass Tonabnehmer, Kabel und Klinkenbuchse in Bauteile wie <a title=\"Wie stellt man einen Steg auf? Anleitung f\u00fcr Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass\" href=\"http:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wie-stellt-man-einen-steg-auf-anleitung-fuer-geige-bratsche-cello-und-kontrabass\/\">Steg<\/a> und Korpus fest integriert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auffallend im Design und interessanter f\u00fcr Experimente jeglicher Art sind hingegen E-Geigen mit einem soliden Korpus (elektrische Solidbody-Violinen). Da der Korpus f\u00fcr die Klangverst\u00e4rkung bei diesen E-Geigen so gut wie keine Rolle spielt, sind der Fantasie bez\u00fcglich Korpusformen und &#8211;designs kaum Grenzen gesetzt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/E-Geige.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1033\" title=\"Typische E-Geige bzw. E-Violine mit solidem Korpus (Solid-Body)\" src=\"http:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/E-Geige-1024x945.jpg\" alt=\"Eine typische E-Geige bzw. E-Violine mit solidem Korpus (Solid-Body)\" width=\"660\" height=\"609\" srcset=\"https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/E-Geige-1024x945.jpg 1024w, https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/E-Geige-300x277.jpg 300w, https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/E-Geige-768x709.jpg 768w, https:\/\/www.musikwoche-gruenbach.at\/1000tipps\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/E-Geige.jpg 1039w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<p>So gibt es etwa E-Geigen in S- oder V-Form, E-Geigen mit 5, 6 und 7 Saiten oder Instrumente mit B\u00fcnden. Manche dieser Geigen werden auch &#8222;Silent-Violinen&#8220; genannt, und zwar jene vom japanischen Hersteller Yamaha, der sich in seinem Design besonders konsequent an den Gewohnheiten und Erwartungen klassischer Musiker orientiert und diese Geigen nicht zuletzt f\u00fcr das lautlose bzw. leise \u00dcben konzipierte. Solidbody Geigen erreichen unverst\u00e4rkt maximal eine Lautst\u00e4rke, die mit Fl\u00fcstern oder leisem Sprechen vergleichbar ist. Entsprechend werden diese E-Geigen mit Kopfh\u00f6rer (vor allem, um beim \u00dcben die Nachbarn nicht zu st\u00f6ren) oder aber mit einem Verst\u00e4rker bzw. entsprechender Technik auf der B\u00fchne verwendet, wof\u00fcr sich naturgem\u00e4\u00df vor allem E-Geigen mit hochwertigen Tonabnehmern eignen.<\/p>\n<h2>Tonabnehmer<\/h2>\n<p>Gro\u00dfe Unterschiede bei E-Geigen gibt es hinsichtlich der verwendeten Tonabnehmer (auch &#8222;Pickup&#8220;, &#8222;Wandler&#8220; bzw. &#8222;Transducer&#8220; genannt). Am h\u00e4ufigsten bei E-Violinen verwendet werden sogenannte piezoelektrische Tonabnehmer. Diese aus einer speziellen Keramik (Blei-Zirkonat-Titanat) bestehenden Pickups reagieren auf mechanische Druckunterschiede, die in elektrische Spannung umgewandelt werden. Entsprechend werden sie auf die stark schwingenden Bauteile der Geige &#8212; in der Regel in oder unter den Steg oder auf die Decke in die N\u00e4he des Steges eingepasst. F\u00fcr das Funktionieren dieser Tonabnehmer spielen magnetische Felder keine Rolle. Aus diesem Grund sind der Saitenwahl keine Grenzen gesetzt. Verwendet werden k\u00f6nnen Saiten jeglicher Art, etwa Saiten mit Nylonkern und Aluminiumumwicklung oder sogar Darmsaiten. Standardm\u00e4\u00dfig sind f\u00fcr Piezo-Tonabnehmer Vorverst\u00e4rker (&#8222;Preamps&#8220;) zu empfehlen, die am besten m\u00f6glichst nahe am Tonabnehmer zu schalten sind und die Funktion haben, unvorhersehbare Klangbeeintr\u00e4chtigungen (zumeist klingen Piezo-Tonabnehmer ohne entsprechende Klangregelung tendenziell &#8222;nasal&#8220; bzw. Mitten-lastig) durch die unterschiedlichen elektronischen Widerst\u00e4nde der der einzelnen Bauteile auszugleichen. Bei vielen E-Geigen sind diese Vorverst\u00e4rkerstufen \u00fcbrigens mit entsprechenden Regelungsschaltern bereits fix im Instrument verbaut.<\/p>\n<p>Elektromagnetische Tonabnehmer, wie sie vorzugsweise bei E-Gitarren zu Einsatz kommen, sind bei E-Geigen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig selten. Sie haben den Nachteil, dass sie ziemlich steril klingen und Geigen oder andere Streichinstrumente ihren nat\u00fcrlichen Klang so gut wie g\u00e4nzlich einb\u00fc\u00dfen. Ein gro\u00dfer Vorteil hingegen besteht darin, dass sich diese Instrumente besonders gut in Kombination mit den handels\u00fcblichen E-Gitarren-Effektger\u00e4ten (z. B. Verzerrer, Phaser, Oktaver etc.) machen. Zu beachten ist au\u00dferdem, dass jeder elektromagnetischer Tonabnehmer nur mit Saiten funktioniert, die einen Stahlkern besitzen (z. B. Daddario Helicore oder Thomastik Spirocore).<\/p>\n<p>Nach wie vor unschlagbar was die Nat\u00fcrlichkeit und W\u00e4rme des Geigenklangs betrifft, ist die Abnahme mit hochwertigen Mikrophonen. Au\u00dfer der M\u00f6glichkeit, vor die Geige ein Mikrophon auf einem St\u00e4nder zu positionieren, gibt es auch noch eine Reihe anderer M\u00f6glichkeiten. Zu nennen sind etwa Clip-Mikrophone, die an der Zarge (ganz \u00e4hnlich wie die handels\u00fcblichen Kinnhalter) befestigt werden und einen flexiblen Schwanenhals besitzen, oder aber Kontaktmikrophone, die nicht die Luftschwingung sondern den K\u00f6rperschall abnehmen und zumeist mit einer Kontaktmasse aufzubringen sind (f\u00fcr alte oder wertvolle Geigen w\u00fcrde ich diese nicht verwenden). Ein Nachteil von Mikrophonen ist generell ihre Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Feedback &#8212; jene ohrenbet\u00e4ubende Pfeif-T\u00f6ne, die beinahe jeder schon einmal geh\u00f6rt oder sogar verursacht hat, der ein Mikrophon in der Hand gehalten hat.<\/p>\n<p>Profis verwenden auf der B\u00fchne \u00fcbrigens h\u00e4ufig Systeme, bei denen ein Mikrophon sowie ein Stegtonabnehmer kombiniert und mit einem Regler ausbalanciert werden. Auf diese Weise k\u00f6nnen die Vor- und Nachteile der beiden Systeme ausgeglichen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbei sind die Zeiten, in denen sich grie\u00dfgr\u00e4mige, alte Miesmacher lautstark \u00fcber &#8222;Stromklampfen&#8220; oder &#8222;Dosenklaviere&#8220; mokierten und das Wort E-Gitarre am liebsten mit &#8222;Ernste Gitarre&#8220; \u00fcbersetzt haben wollten. 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