Von E-Geigen und E-Geigern

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich grießgrämige, alte Miesmacher lautstark über „Stromklampfen“ oder „Dosenklaviere“ mokierten und das Wort E-Gitarre am liebsten mit „Ernste Gitarre“ übersetzt haben wollten. Längst haben elektronische Instrumente aller Art Eingang in die Mitte unseres Musiklebens gefunden: die E-Gitarre begann vor mittlerweile mehr als einem halben Jahrhundert ihren Siegeszug, Keyboards bzw. Synthesizer gehören zu den auf Bühnenshows am häufigsten eingesetzten Instrumenten. Beinahe vergessen scheint hingegen die Tatsache, dass Leo Fender bereits in den 50er Jahren nicht nur E-Gitarren, sondern auch einige wenige E-Geigen produzierte, die hauptsächlich von Jazz- und Bluesmusikern gespielt wurden. Denn anders als die E-Gitarre begann die elektrische Violine erst ab den 1990er Jahren wirklich populär zu werden — man erinnert sich noch dunkel an das geigende Pop-Sternchen Vanessa Mae. In letzter Zeit erlebt nicht nur die Geige, sondern insbesondere die E-Geige einen neuerlichen Höhenflug, der vor allem von Lindsey Stirling beflügelt wird, die bei ihren Nummern auch neuere Musikgenres wie Dubstep und Elektro integriert. Von E-Geigen und E-Geigern weiterlesen

Autodidaktisch Geige lernen? Strategien für Sparfüchse

Ein gesundes Selbstvertrauen und den Mut, notfalls auch ohne professionelle Rückversicherung ins sprichwörtlich kalte Wasser zu springen, sind eigentlich gute Voraussetzungen, um sich ein neues Themenfeld zu erarbeiten. Ebenso aber auch eine gesunde Portion Selbsteinschätzung, welche hilft, eigene Grenzen wahrzunehmen und grobe Fehlentwicklungen zu vermeiden. Wenig schmeichelhaft etwa war die weltweite Berichterstattung über jene ambitionierte, des Aquarellierens wohl überdrüssige Hobby-Künstlerin aus Aragonien, die ein altes Fresko des Erlösers flugs in einen feisten Igel zu verwandeln wusste. Auch in der Musik gibt es Bereiche, die sich mehr oder weniger gut für autodidaktisches Erarbeiten eignen. Autodidaktisch Geige lernen? Strategien für Sparfüchse weiterlesen

Wie wähle ich die passende Bratschen-Größe?

Anders als Geigen weisen Bratschen hinsichtlich ihrer Größe beträchtliche Schwankungsbreiten auf, die stets als Kompromiss zwischen Klangvolumen und spieltechnischer Praktikabilität zu verstehen sind. Schon in alten Zeiten war man sich dieses Problems bewusst. Die älteste Bratsche stammt wohl von Andrea Amati und misst stolze 47 cm (maßgeblich ist die Deckenmensur). Doch bereits seine Söhne und Enkelsöhne sowie deren Schüler bauten kleinere Instrumente. Die Bratschen von Stradivari und Guarneri messen ungefähr 41 cm. Wie wähle ich die passende Bratschen-Größe? weiterlesen

Als Geiger Bratsche lernen

Zu den wohl häufigsten Fragen, die mir als Bratschist gestellt werden, zählen jene nach den Unterschieden zwischen Geige und Bratsche – beziehungsweise wie einfach oder kompliziert ein Umstieg von der Geige auf die Bratsche zu bewerkstelligen sei. Bei manchen, die mir diese Frage stellen, mag die Erwartung eine Rolle spielen, als Bratscher endlich zum begehrten Mitspieler, Kammer- oder Orchestermusiker zu avancieren. Andere präferieren den tieferen Klang des Instruments. Und wieder andere vermuten hinter den zahlreichen Witzchen und Gerüchten über Bratschisten einen wahren Kern und hoffen auf eine gewisse spieltechnische Erleichterung durch den Wechsel auf das vielgescholtene, vielleicht aber auch exklusivere Instrument.

Tatsächlich sieht sich jeder, der als Geiger Bratsche lernen möchte, zunächst mit einigen Herausforderungen konfrontiert, die es zu meistern gilt und die in der Regel etwas Zeit und Aufmerksamkeit beanspruchen. Als Geiger Bratsche lernen weiterlesen

Wie man Ersatz-Fußgummis frei von Gram und Ärger auf die Schulterstütze schiebt — Tipps und Tricks

Es sind manchmal die ganz kleinen Dinge, die das Leben versüßen — oder eben auch nicht. Ein Bekannter hat vor einiger Zeit zu Kaffee und — natürlich selbstgemachten — Kuchen, der übrigens im Vorfeld auf fast beschämende Weise mit zahlreichen Superlativen angekündigt wurde, eingeladen. Mit einem hatte die eigentlich gar nicht so unfröhlich gestimmte Runde allerdings nicht gerechnet: Die Laune des Gastgebers sank linear mit den vergeblichen Versuchen den Wunder-Kuchen in einem Stück aus der Backform zu hieven. Immerhin schmeckten die kreativ geformten Partikel, die auf den geblümten Tellern landeten, ganz passabel (was die üble Stimmung des Gastgebers allerdings kaum zu verbessern half). Wie man Ersatz-Fußgummis frei von Gram und Ärger auf die Schulterstütze schiebt — Tipps und Tricks weiterlesen

Wie stellt man einen Steg auf? Anleitung für Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass

Der unscheinbare Steg gehört — obzwar er zur Rubrik der leichter austauschbaren Ersatzteile von Geige, Bratsche, Cello oder Kontrabass gezählt werden kann — zu den wichtigsten Bauteilen der Streichinstrumente. Denn immerhin bildet er die Brücke (auf englisch wird der Steg sehr passend mit „bridge“ bezeichnet) zwischen der Saite und dem Resonanzkörper. Daher ist es nicht nur wichtig, dass der Steg zunächst professionell für das Instrument angepasst, d.h. zugeschnitten wird; vielmehr sollte auch ein Augenmerk darauf gerichtet werden, dass der Steg, der übrigens nicht aufgeleimt wird, sondern nur durch den Saitendruck auf der Decke hält, auf dem richtigen Platz steht. Wie stellt man einen Steg auf? Anleitung für Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass weiterlesen

Lagenspiel und immerwährendes Vibrato. Oder: sollte man leere Saiten beim Geigenspiel tunlichst vermeiden?

Gerüchteweise existieren sie noch, die Apologeten der fröhlichen Beisl- bzw. Kneipengastronomie, die nicht nur Koriander, Kreuzkümmel , Oliven oder Büffelmozarella, sonder gar jegliches unpanierte Gemüse meiden wie der Teufel das Weihwasser. Ganz ähnlichen Reflexen begegnet man gelegentlich auch bei Vertretern der Geigenzunft. So werden beispielsweise gar nicht selten heftige Intoleranzen gegenüber leeren Saiten gehegt, einer ganz und gar nicht geschmacklosen Zutat des Klangspektrums von Streichinstrumenten.

Das Dogma, leere Saiten tunlichst zu vermeiden, lässt sich als nicht mehr ganz zeitgemäße Ansicht innerhalb einer wechselvollen Geschichte verorten, in der sich der Instrumentenbau, Klangvorstellungen, Spieltechniken und damit auch die Präferenzen für Fingersätze ebenso stark wandelten, wie die Musikstile und Kompositionen, in deren Diensten sie standen.
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Die gehasste zweite Lage oder warum wir uns gerne mit der rechten Hand am linken Ohr kratzen

Es ist erstaunlich zu welchen Verrenkungen der Mensch bereit ist, um beispielsweise die Tür zum trauten Heim mit der gewohnten Hand aufzusperren — selbst wenn dafür der fragile Turm an wohlgestapelten Lebensmitteln vom rechten auf den linken Arm gehievt werden muss und der Kollateralschaden, der unwiederbringliche Verlust des Erdbeerjoghurts, nur unter nicht näher zu erläuterten Kraftausdrücken ertragen werden kann.

Auch auf der Geige sind wir zu solchen Kunststücken bereit. Zweifellos an der Spitze der beliebtesten Verrenkungen stehen jene, die durch die konsequente Vermeidung der zweiten Lage entstehen. Die gehasste zweite Lage oder warum wir uns gerne mit der rechten Hand am linken Ohr kratzen weiterlesen

Lied oder Sonate, Cover oder Interpretation?

Welcher Musiklehrer, welcher Geigen-, Cello- oder gar Bratschenlehrer weiß sie nicht zu stiften: die babylonische Sprachverwirrung, die viele Schüler heimsucht, die sich bislang in erster Linie mit Popmusik beschäftigten. Die schnöde schulmeisterliche Ausführung, dass Beethovens Violinkonzert kein „Lied“ sei, und dass der Auftritt des totenkopfberingten David Garret zusammen mit der Russischen Nationalphilharmonie kein „Cover“ darstelle, können sich nur die allerwenigsten verkneifen. Lied oder Sonate, Cover oder Interpretation? weiterlesen

Durchhänger als Chance begreifen

So mancher Dreikäsehoch möchte kicken wie Ronaldo, tanzen wie der schönste Schwan oder nimmt seine neue Geige gar mit ins Bett. Doch selbst ein heftig artikulierter Wunsch und die größte Anfangsmotivation können nach einiger Zeit einen Dämpfer erhalten Durchhänger als Chance begreifen weiterlesen