Pflege und Reinigung der Geige

Gerade die besonders ambitionierten Versuche die teuersten Dinge des Hausstandes auf Vordermann zu bringen erweisen sich nicht selten als fatal, wie dies Menschen berichten können, die den Versuch unternommen haben Marmorfliesen mit Essigreiniger auf Hochglanz zu bringen oder Urgroßvaters Ölportrait endlich von der lästigen Patina zu befreien und dabei dem geschätzten Vorfahr nicht nur das Lächeln, sondern gleich die ganze Mundpartie aus dem Gesicht zauberten.

Auch die Geige ist ein Gegenstand, für den es sich lohnt, zumindest grundlegende Pflegetipps zu beachten, um allzu böse Überraschungen zu vermeiden.

Pflege des Korpus

Der Korpus ist der empfindlichste Teil der Geige. Für die alltäglich Reinigung empfehle ich weiche antistatische Tücher, mit denen stets trocken gewischt wird. Wichtig ist es, stets den Kolophoniumstaub unter der Kontaktstelle (dort wo man streicht) nach dem Spielen zu entfernen — damit vermeidet man, dass sich der Kolophoniumstaub in den Geigenlack frisst. Mit einem weiteren Tuch kann man bei Bedarf den Rest des Korpus von Staub und Ablagerung befreien.

Da wir uns als Laien auf die unterschiedlichsten Lackmischungen keinen Reim machen können — es gibt wohl näherungsweise so viele Geheimrezepte für den Geigenlack wie prominente Geigenbauer –, sollte auch von der Verwendung der speziellen Mixturen zur Geigenpflege im Zweifelsfall eher Abstand genommen und das Aufpolieren des Korpus dem Fachmann überlassen werden.

Das Innere des Korpus kann man übrigens mit ein wenig trockenem, ungekochtem Reis befüllen. Nachdem man das Instrument einige Male geschwenkt hat, braucht es ein wenig Geduld, um die Reiskörner wieder aus den F-Löchern herauszuschütteln. Dabei rieselt bisweilen nicht nur der Reis, sondern auch der Staub von Jahrzehnten…

Reinigung von Saiten, Kinnhalter und Griffbrett

Ein Mikrofasertuch sollte man verwenden, um den Kolophonium-Ablagerung auf den Saiten zu Leibe zu rücken — auch dies kann mehr oder weniger täglich erfolgen. Brillenputztücher dieser Machart sind übrigens etwas billiger als die Spezialtücher aus dem Geigenbedarf, erfüllen aber gleichermaßen ihren Zweck. Abzuraten ist dagegen von Papiertaschentüchern oder gröber gearbeiteten Stoffen, da die Gefahr besteht, dass einzelne Textilfasern in den filigranen Umwicklungen der Saiten hängen bleiben. Brennspritus sollte nur selten nötig sein, um die Saiten zu reinigen — jedenfalls ist dabei penibel darauf zu achten, dass kein Tropfen auf den alkoholöslichen Geigenlack gerät.

Hochprozentiges ist auch für die Reinigung des Kinnhalters geeignet, denn Schweiss und Fettablagerungen an dieser Stelle begünstigen den berüchtigten Geiger-Fleck.

Gelegentlich kann man mit Spiritus auch den Handschweiß entfernen, der sich mit der Zeit auf dem Griffbrett festsetzt. Dabei sollte man sich aber vergewissern, dass das Griffbrett aus echtem Ebenholz gefertigt wurde, denn bei günstigen Instrumenten ist es manchmal nur schwarz gebeizt und entsprechend empfindlich.

Pflege des Geigenbogens

Die wichtigste Wartungsmaßnahme des Bogens besteht darin, den Bogen gewissenhaft zu entspannen, wenn er nicht in Gebrauch ist. Richtig entspannt ist der Bogen dann, wenn die Bogenhaare knapp davor sind, die Bogenstange zu berühren.

Nach dem Kolophonieren des Bogens empfiehlt es sich, für die ersten Bogenstriche ein Tuch über die F-Löcher zu legen, um den Geigenkorpus vor starker Verschmutzung zu bewahren. Nach dem Spielen sollte der Bogenstange gegebenenfalls mit einem Tuch abgewischt werden. Der Lack der Bogenstange kann ähnlich empfindlich auch Kolophoniumstaub reagieren wie der Lack der Geige.

Gerissene Bogenhaare sollten nahe an den Kanten (z. B. mit einer Nagelschere) abgeschnitten werden. Freilich führt auf der Bühne zumeist kein Weg daran vorbei, die gerissenen Bogenhaare in einer kurzen Spielpause einfach auszureißen.

Luftfeuchtigkeit und Temperatur

Kritisch ist prinzipiell eine sehr niedrige Luftfeuchtigkeit. Während der Heizperiode empfiehlt es sich, die Luftfeuchtigkeit zumindest über 35% zu halten (unbedingt empfiehlt sich zur Kontrolle der Gebrauch eines Hygrometers). Bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit reagiert wiederum die Bogenbehaarung, was mitunter in Konzertsälen, in denen viel geatmet wird, zu lästigen Überraschungen führen kann.

Empfindlich sind die Lackmischungen gegenüber Sonnenstrahlen. Auch höhere Temperaturen können negative Auswirkungen haben. Es wurde von heißen Sommertagen berichtet, an denen schon mal die Lackierung des gesamten Bodens mehr Anziehungskraft zum samtenen „Bett“ im Geigenetui zeigte als zu ihrem angestammten Platz.

Veröffentlicht von

Heinz

Heinz hat Violine und Viola in Wien studiert und ist als Geigen- Bratschen- und Kammermusiklehrer tätig. Seine besondere Liebe gilt der Kammermusik, Franz Schubert und philologisch hervorragenden Notenausgaben. Derzeit lebt Heinz mit seiner Familie in Bamberg.

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