Wie wähle ich die passende Bratschen-Größe?

Anders als Geigen weisen Bratschen hinsichtlich ihrer Größe beträchtliche Schwankungsbreiten auf, die stets als Kompromiss zwischen Klangvolumen und spieltechnischer Praktikabilität zu verstehen sind. Schon in alten Zeiten war man sich dieses Problems bewusst. Die älteste Bratsche stammt wohl von Andrea Amati und misst stolze 47 cm (maßgeblich ist die Deckenmensur). Doch bereits seine Söhne und Enkelsöhne sowie deren Schüler bauten kleinere Instrumente. Die Bratschen von Stradivari und Guarneri messen ungefähr 41 cm.

Die Größe von 4/4-Bratschen bewegen sich heute üblicherweise zwischen 38 und 43,5 cm bzw. 15“ und 17“. Der seit langem beobachtbare Trend bei Profi-Bratschern, bei der Wahl der Bratschengröße die körperlichen Belastungsgrenzen denkbar auszureizen, ist für Amateur-Bratschisten oder für nur gelegentlich Bratsche spielende Geiger nicht zu empfehlen. Andererseits: es gereicht der klanglichen Ästhetik des Instruments auch nicht gerade zur Ehre, wenn man bloß aus Bequemlichkeit ein sehr kleines Instrument wählt.

Bratschen-Wahl für zarte Damen und große Kerle

Für Menschen mit durchschnittlicher Körpergröße und Konstitution ist eine Bratsche mit einer Deckenmensur zwischen 40 und 41 cm (16“) eine gute Wahl. Auch für kleinere Erwachsene ist es empfehlenswert, sich zunächst an einer Bratsche dieser Größe auszuprobieren. Am besten man leiht sich ein Instrument für ein oder zwei Wochen aus, um mehrere Male ernsthaft zu üben, ehe man sich für ein kleineres Instrument entscheidet — ein schrittweises Herantasten wäre optimal. Zweifellos gibt es es auch sehr gut klingende kleinere Bratschen (<39,5 cm bzw. 15,5''), diese sind aber als durchaus seltene Glücksgriffe zu bezeichnen. Bei der Wahl einer großen Bratsche (>42 cm bzw. 16,5“) ist vor zu großen Ambitionen zu warnen. Denn die höhere Belastung, etwa der Nacken-Muskulatur, kann bei unbesonnener Haltung und zu wenig Training auch großen und scheinbar kräftigen Kerlen auf Dauer zu schaffen machen und die Freude am voluminöseren Klang trüben.

Veröffentlicht von

Heinz

Heinz hat Violine und Viola in Wien studiert und ist als Geigen- Bratschen- und Kammermusiklehrer tätig. Seine besondere Liebe gilt der Kammermusik, Franz Schubert und philologisch hervorragenden Notenausgaben. Derzeit lebt Heinz mit seiner Familie in Bamberg.

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