Wie finde ich den passenden Musikkurs? Eine kleine Orientierungshilfe

Heute ist es manchmal nicht auf den ersten Blick klar, was sich hinter der ausgereiften Nomenklatur diverser Freizeit- oder Weiterbildungsangebote verbirgt. So könnte die Enttäuschung des letzten urtümlichen Exemplars der Gattung h.sapiens groß sein, wenn er die Erkenntnis erlangt, dass man zum Schlagfertigkeitstrainig besser nicht mit Boxhandschuhen erscheint. Anders gestrickten Zeitgenossen mag dagegen das eine oder andere Mal die Schamesröte ins Gesicht steigen, wenn sie das Richtige am nicht ganz richtigen Ort gebucht haben.

Auch für Musik-Kurse gibt es typische Bezeichnungen, über die man Bescheid wissen sollte, bevor man sich in das nächste Wagnis stürzt.

Meisterkurse, Meisterklassen, Sommerakademien etc.

Diese ziemlich zahlreichen Angebote haben eines gemeinsam: sie richten sich an angehende oder bereits tätige professionelle Musiker, zumeist an Studierende. Ausgelastet sind jedenfalls jene Kurse, in denen international bekannte Lehrerpersönlichkeiten tätig sind, oder in denen es Musikern, die einen Posten an einer Musikhochschule bekleiden, gelingt, ihre Studenten zum sommerlichen Unterricht zu motivieren. Üblich ist es, ein bereits vor Kursbeginn gut vorbereitetes Programm in Hinblick auf einen solistischen Auftritt zu perfektionieren.

Chor- und Orchesterwochen, Orchestertage etc.

Neben den Orchesterakademien mit professioneller Ausrichtung und zumeist regionalem Festivalcharakter gibt es ein recht breites Angebot an Chor- und Orchesterwochen, das sich an Amateurmusiker richtet. Charakteristischerweise erarbeitet man in der Gruppe gemeinsam mit dem Dirigenten oder den Stimmführern (z. B. in der Stimmgruppe der ersten Geigen) ein größeres Orchesterwerk. Gelegentlich bilden sich abseits der Hauptproben kleine „Privat-Combos“, in denen das Spaß-orientierte Musizieren und das Ausprobieren von Werken im Vordergrund stehen. Zum grundlegenden Erlernen eines Instrumentes sind Orchesterwochen nicht geeignet — die Musiker, die sich dort einfinden, sind nicht selten sehr reich an Erfahrung.

Kurse mit spezieller Ausrichtung

Zu nennen sind an dieser Stelle etwa Kurse, die sich speziell an Kammermusik-Ensembles richten, oder Workshops, die sich ganz gezielt mit einzelnen spieltechnischen oder stilistischen Schwerpunkten — etwa dem Musizieren auf Barockinstrumenten — widmen. Der überwiegende Anteil dieser Angebote richtet sich an professionelle Musiker. Es gibt aber durchaus auch Formate, in denen kundige und interessierte Amateurmusiker zugelassen werden. Jedenfalls sollte hierbei stets mit einer eher offenen Unterrichtsform, mit Publikum bei den Unterrichtsstunden, gerechnet werden.

Kurse zum Erlernen eines Instruments

Der überwiegende Teil des Kursangebots richtet sich an Kinder und Jugendliche, auch wenn einzelne größere Kursanbieter den unabdingbaren Wert der musikalischen Breitenförderung und des musikalischen Umfeldes in der Familie eingesehen haben und zumindest Eltern-Kind-Kurse anbieten. Gute Kurse offerieren Intrumentalunterricht in kleinen Zeitabständen und strukturieren das Üben, was für jüngere Kinder eigentlich eine Notwendigkeit darstellt. Für viele Jugendliche stellen Musikwochen dieser Art eine sehr große Bereicherung dar — nicht zuletzt, weil sie sich dem Musizieren auf eine sehr soziale Weise nähern können.

Eher überschaubar ist das Angebot dagegen für erwachsene Anfänger oder fortgeschrittene erwachsene Amateurmusiker, die ganz gezielt an der Verbesserung ihrer instrumentalen Fähigkeiten arbeiten wollen und aus diesem Grund einen intensiven Einzelunterricht im Rahmen einer Musikwoche anstreben. Neben einigen stärker urlaubsorientierten Angeboten gibt es auch Anbieter, die sich durch intensive Einzelbetreuung auszeichnen und einen anregenden Rahmen für dieses Anliegen bieten.

Veröffentlicht von

Heinz

Heinz hat Violine und Viola in Wien studiert und ist als Geigen- Bratschen- und Kammermusiklehrer tätig. Seine besondere Liebe gilt der Kammermusik, Franz Schubert und philologisch hervorragenden Notenausgaben. Derzeit lebt Heinz mit seiner Familie in Bamberg.

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